Die Eröffnung entscheidet im Schach über den gesamten Spielverlauf. Umso wichtiger also, zumindest ein Grundverständnis für die erste Spielphase im Schach zu haben. Wer ein wenig Eröffnungstheorie beherrscht, vermeidet Fehler und kann das Spiel zu Beginn leiten.

Eröffnungstheorie

Man unterteilt die Gesamtheit der Schacheröffnungen in verschiedene Untergruppen. Grundsätzlich hat man sich dabei auf die folgende Unterteilung geeinigt:

Offene Systeme

Offene Systeme beginnen mit e2–e4 von Weiß, und der Antwort e7–e5 von Schwarz. Sie führen meist schnell zu offenen Linien auf dem Brett – also einem offenen Spiel.

Offene Spiele werden Schachanfängern häufig nahegelegt, da sie taktische Motive wie Fessellungen gut aufzeigen. Aber sie werden natürlich genau so auch in der Weltspitze im Schach gespielt.

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Die spanische Partie.

Weiß beginnt mit dem Bauernzug e2–e4 und besetzt damit direkt das Zentrum. Um ein offenes Spiel zu erhalten, antwortet Schwarz mit e7–e5. Von dort aus gibt es viele Möglichkeiten, das Spiel fortzuführen, unter anderem:

  • Spanisches Spiel: 1. e2–e4 e7–e5 2. Sg1–f3 Sb8–c6 3. Lf1–b5
  • Italienische Partie: 1. e2–e4 e7–e5 2. Sg1–f3 Sb8–c6 3. Lf1–c4 Lf8–c5
  • Königsgambit: 1. e2–e4 e7–e5 2. f2–f4

 

Halboffene Systeme

Halboffene Systeme starten ebenso mit e2–e4 von Weiß. Schwarz antwortet jedoch mit einem anderen Zug als e5 und erschwert somit die Linienöffnung – ein halboffenes Spiel.

Die halboffene Partie bilden das Mittel zwischen einer offenen und geschlossenen Partie. Weiß beginnt wieder mit dem Bauernzug e2–e4, Schwarz antwortet aber nun mit einem anderen Zug als

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Die sizilianische Verteidigung.

e7–e5. Durch die unsymmetrische Stellung entstehen bei vielen halboffenen Systemen interessante Partien, in der beide Spieler auf einen Sieg spielen können.

Einige Antworten auf e2–e4, die zu einer halboffenen Partie führen, sind:

  • Sizilianische Verteidigung: 1. e2–e4 c7–c5
  • Caro-Kann-Verteidigung: 1. e2–e4 c7–c6
  • Robatsch-Verteidigung: 1. e2–e4 g7–g6

 

Geschlossene Systeme

Geschlossene Systeme werden durch Weiß fast immer mit d2–d4 eingeleitet. Sie zeichnen sich durch meist späte Linienöffnung und rigide Bauernstrukturen aus.

Mittlerweile werden geschlossene Spiele in Turnierformaten am häufigsten gespielt, obwohl sie sich erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts an Popularität gewannen. Von geschlossenen Systemen

schach eröffnung - damengambit
Das Damengambit.

spricht man, wenn Weiß mit d2–d4. Unterschieden wird manchmal noch zu „halbgeschlossenen Systemen“ – eine Antwort von Schwarz mit einem anderen Zug als d7–d5. Oft werden jedoch alle d2–d4-Eröffnungen als geschlossene Spiele bezeichnet. Einige bekannte:

  • Damengambit: 1. d2–d4 d7–d5 2. c2–c4
  • Indische Verteidigungen: 1. d2–d4 Sg8–Sf6
  • Benoni-Verteidigungen: 1. d2–d4 c7-c5

 

Unregelmäßige Eröffnungen

Als unregelmäßige Systeme bezeichnet man Eröffnungen, die nur selten gespielt werden und sich nur schwer in die obigen Klassen einteilen lassen.

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Mögliche Variation der Sokolski-Eröffnung

Zu guter Letzt behandeln wir noch die unregelmäßigen Eröffnungen. Das sind alle Eröffnungen, die generell nur selten gespielt und sich nicht in die restlichen Systeme einordnen lassen. Von

diesen sollten sich Anfänger grundsätzlich fernhalten, da sie meistens Entwicklungsnachteile in Kauf nehmen. Zum Beispiel:

  • Sokolski-Eröffnung: 1. b2–b4
  • Van’t-Kruijs-Eröffnung: 1. e2–e3
  • Barnes-Eröffnung: 1. f2–f3

 

Strategie für die Eröffnung

Als Anfänger (und auch als Großmeister) kennt man selbstverständlich nicht alle Eröffnungen in ihrer kompletten Tiefe. Jede Eröffnung hat hunderte verschiedene Varianten und zahlreiche Fallen. Statt also zu versuchen jede Eröffnungslinie auswendig zu lernen, sollte man sich als Anfänger lieber an einige Eröffnungsprinzipien halten. Mit denen ist man in fast jedem System sicher aufgehoben.

Es gibt drei grundlegende Ziele für die Eröffnung:

  • Figuren entwickeln
  • Zentrum besetzen
  • König absichern

Sobald jeder der Spieler diese Ziele erreicht hat, geht das Spiel ins Mittelspiel über.

Um die Eröffnungsziele möglichst effizient und vollständig zu erreichen, gibt es einige goldene Regeln, die jeder Schachanfänger in der Eröffnung beherzigen sollte:

1. Konzentriere Dich aufs Zentrum

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Fokus aufs Zentrum!

Das Zentrum zu kontrollieren ist in beinahe jeder Spielphase von enormem Vorteil. Denn im Zentrum platzierte Figuren wirken auf das gesamte Brett und können bei einem Flügelangriff wichtige Unterstützung leisten. Es geht dabei nicht unbedingt darum alle Figuren ins Zentrum zu stellen, sondern die Zentrumsfelder durch eigene Figuren anzugreifen und dem Gegner keinen Zugriff zu erlauben. Bauern eignen sich zu Spielbeginn prima, das Zentrum zu kontrollieren.

2. Jede Figur nur ein mal ziehen

Ziel der Eröffnung sollte es immer sein, seine Figuren möglichst effizient und aktiv zu platzieren. Wer zu früh zu viele Züge mit einer Figur macht, vergeudet Zeit. Deshalb gilt der Grundsatz: In der Eröffnung jede Figur, wenn möglich, nur ein mal ziehen.

3. Früh rochieren / König absichern

Königssicherheit ist Priorität #1 im Schach. Deshalb nicht zu lange mit der Rochade warten, denn sie schützt den König und aktiviert zu dem den Turm.

4. Figuren aktiv platzieren

„Springer am Rande bringt Kummer und Schande“ – ein Spruch den wohl fast jeder Schachspieler kennt. Und da ist auch was dran. Am Rand hat der Springer viel weniger mögliche Züge, als wenn er zentral platziert ist. Sofern möglich sollte man Figuren deshalb möglichst aktiv platzieren.

5. Dame mit Bedacht einsetzen

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Weiß setzt seine Dame zu früh ein und verspielt seinen Entwicklungsvorteil.

Klar, die Dame ist die stärkste Figur im Spiel. Doch genau das wird ihr zu Spielbeginn oft zum Verhängnis. Denn als stärkste Figur kann sie von keiner anderen Figur gedeckt werden. Wird sie also angegriffen, muss sie wegziehen. Das kostet Zeit und stört die Eröffnung. Die Dame also erst zu Ende der Eröffnung oder nur mit sehr gutem Grund ziehen.

6. Türme verbinden

Meist ergibt es sich zwar von selber, doch es sollte trotzdem immer das Ziel der Eröffnung sein, seine Türme zu verbinden. Das heißt: Rochiert haben und alle anderen Figuren langsam ins Spiel gebracht zu haben. Die Türme sorgen so für eine gewisse Sicherheit auf der Grundlinie und Angriffe können leichter vorbereitet werden.

 

Die beste Schach-Eröffnung…

…gibt es nicht. Sorry. Je nach eigenem Spielstil, dem Gegner und der aktuellen Sonnenstellung ändert sich „die beste Eröffnung“. Die Wahrheit: es gibt tausende gute Eröffnungen.  Es ergibt wenig Sinn nach der besten Eröffnung zu suchen, denn für jeden Zug gibt es immer eine Verteidigung. Man könnte also sagen, jede Eröffnung ist gut, solange der Gegner schlecht spielt.

Vielmehr gilt es, ein breites Eröffnungsspektrum zu beherrschen und die grundlegende Eröffnungstheorie zu verstehen. Für Anfänger kann es sinnvoll sein, oft die gleiche Eröffnung zu spielen, um gewohnte Muster zu erhalten und sich so zu verbessern. Deshalb haben wir im Folgenden unsere Top 3 Eröffnungen für Anfänger zusammengetragen.

 

Die Spanische Partie

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Die spanische Partie.

Das spanische Spiel beginnt mit 1. e2–e4 e7–e5 2. Sg1–f3 Sb8–c6 3. Lf1–b5. Sie ist wohl eine der am häufigsten gespielten Eröffnungen mit unzähligen studierten Variationen. Als offenes System eignet es sich besonders für Anfänger und aufgrund seiner Popularität solltest Du zumindest die Grundlinien beherrschen.

Die spanische Eröffnung erlaubt weiß eine schnelle Figurenentwicklung, gute Zentrumskontrolle sowie die Möglichkeit früh zu rochieren. Sie ist genau deshalb so beliebt. Alle grundlegenden Eröffnungsziele werden schnell erreicht.

Die sizilianische Verteidigung

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Die sizilianische Verteidigung.

Die sizilianische Verteidigung wurde dem Großmeister Vishy Anand (neben der spanischen Partie) als eine der wichtigsten Eröffnungen für Anfänger bezeichnet. Kein Wunder also, dass sie auch in unsere Liste aufgenommen wird.

Schwarz antwortet auf e2–e4 mit dem Zug c7–c5 und sorgt somit für eine asymmetrische Stellung. Daraus resultiert meist eine sehr spannende Partie, in der beide Spieler gute Chancen auf einen Sieg haben. Wer gerne etwas aggressiver verteidigt, sollte sich die sizilianische Verteidigung auf jeden Fall genauer anschauen.

Die Italienische Partie

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Die Italienische Partie.

Sie beginnt ähnlich wie die Spanische Eröffnung, durch den Läufer auf c4 statt b5 ergibt sich eine komplett neue Spieldynamik. Denn der Läufer greift nun direkt zu Beginn das sehr verwundbare Feld f7 an. In manchen Variationen wird dieser Läufer tatsächlich geopfert, um den schwarzen König in die Mitte des Bretts zu treiben.

Ebenso wie die spanische Eröffnung ist auch die italienische sehr alt, gut studiert und wird oft in der Praxis gespielt. Genau deshalb ist sie perfekt für Anfänger zu lernen.

 

Eröffnungs-Ratgeber

Im Folgenden haben wir uns einige Eröffnungen genauer analysiert, um Dir Tipps und Tricks für die Spielweise zu geben.

Unkonventionell